
Über den schlechten Zustand der Brücken in Deutschland wird viel gesprochen; meistens über die großen, sichtbaren Bauwerke. Dabei sind es oft die kleinen, unscheinbaren Brücken, die für den Alltag der Menschen genauso wichtig sind. Die Brücke in Wittmund ist eine von ihnen. Kein Wahrzeichen, kein Prestigeprojekt, aber für alle, die täglich die Eggelinger Straße über die Harle nutzen, schlicht unverzichtbar. Und damit ein treffendes Beispiel für das enorme Anwendungspotenzial von Carbonbeton in Deutschland.


Das im Jahr 1954 erbaute Tragwerk besteht aus einer 60 cm dicken, schlaff bewehrten Einfeldplatte mit einer lichten Spannweite von 10 m. Bereits 1987 einmal instandgesetzt, zeigte das Bauwerk bei einer Zustandserfassung im September 2023 eine deutliche Schadensprogression. Die alte Spritzmörtelschicht wies großflächige Hohllagen auf, die Bestandsbewehrung hatte aufgrund starker Korrosionsschäden an Querschnitt verloren. Als Folge musste die zulässige Achslast auf 16 Tonnen reduziert werden. Ursprünglich war die Brücke für die Brückenklasse 30 ausgelegt. Das Ziel der Verstärkungsmaßnahme war klar: die ursprüngliche Tragfähigkeit wiederherstellen und das Bauwerk für weitere 50 Jahre fit machen.
Statt eines kostenintensiven Neubaus oder einer materialintensiven Verstärkung durch herkömmlichen Spritzbeton fiel die Entscheidung auf eine gezielte Verstärkung mit dem CARBOrefit®-Verfahren. Besonders Stahlbeton-Plattenbrücken mit kleinen bis mittleren Spannweiten eignen sich aufgrund der großen Applikationsflächen an der Unterseite hervorragend für eine dünnschichtige Verstärkung mit Carbonbeton. Im Zuge der Instandsetzung wurde die Ausstattung der Brücke auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Die bestehenden Kappen, Geländer und Instandsetzungsschichten wurden abgebrochen, gereinigt und mit einem Korrosionsschutz versehen. Anschließend wurde die erforderliche Betondeckung der Bewehrung wieder hergestellt. An den Fahrbahnrändern entstanden neue Kappen und die Fahrbahnplatte wurde umlaufend mit Carbonbeton verstärkt, bei unveränderter Gesamtbreite der Brücke. An der Unterseite wurde eine Bewehrungslage in Brückenquerrichtung aufgebracht, anschließend folgten zwei weitere Lagen in Brückenlängsrichtung. Die Verstärkungsschicht weist eine Gesamtdicke von 20 mm auf und enthält drei Bewehrungslagen. Oberseitig wurde die konstruktive Mindestbewehrung durch die eingebaute Bewehrung des zusätzlich aufgebrachten Aufbetons sichergestellt. An den seitlichen freien Plattenrändern kamen L-förmige Carbonbewehrungswinkel als Formbewehrung zum Einsatz, um die Anforderungen zur konstruktiven Mindestbewehrung zu erfüllen.



Das Ergebnis überzeugt: Die ursprüngliche Tragfähigkeit wurde vollständig wiederhergestellt, obwohl rechnerisch nur 80 Prozent der Querschnittsfläche der Bestandsbewehrung angesetzt werden konnten. Möglich gemacht hat das die hohe Leistungsfähigkeit der Carbonbewehrung.
Die geplante Anwendung bewegte sich in einigen Punkten außerhalb des bestehenden Zulassungsrahmens. Die abZ/aBG für das CARBOrefit®-Verfahren lag zum Zeitpunkt der Planung ausschließlich für Einbaubedingungen im Innenbereich vor. Im Außenbereich kommen andere Anforderungen hinzu: Temperaturen bis -25 °C, erhöhte Feuchtigkeit und möglicher Chlorideintrag durch Tausalzeinwirkung. Auch der Einfluss dynamischer Verkehrslasten und der Einsatz von Formbewehrung waren bislang nicht von der Zulassung abgedeckt. All diese Punkte konnten auf Basis bereits bestehender Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen nachgewiesen werden. Die Zustimmung im Einzelfall erforderte daher keine zusätzlichen Bauteilversuche und konnte somit besonders zeit- und kosteneffizient umgesetzt werden.
Wenige Zentimeter Carbonbeton und eine Brücke trägt wieder sicher für die nächsten 50 Jahre. Das Projekt in Wittmund zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Ingenieurkunst, innovative Materialien und der Mut zur neuen Lösung zusammenkommen. Letztlich geht es, wie bei so vielen Projekten, um etwas ganz Einfaches: Funktionalität und Sicherheit im Alltag. Für alle, die diese Brücke täglich nutzen.
| Bauherr: | Stadt Wittmund |
| Entwurfsplanung: | Ingenieurberatung Bröggelhoff GmbH |
| Genehmigungs- und Ausführungsplanung: | CARBOCON GMBH |
| Ausführendes Unternehmen: | Ludwig Freytag GmbH & Co. KG |
| Gutachter ZiE: | Technische Universität Dresden, Institut für Massivbau |
Gemeinsam haben wir gezeigt, was möglich ist.
Bildmaterial: Mit freundlicher Genehmigung von Ludwig Freytag GmbH
In Vertretung
CARBOCON GMBH
Mohorner Str. 13
01159 Dresden
Telefon: 0351 48205 521
E-Mail: info@carborefit.de
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