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Wenn Hightech auf Historie trifft – Innovativ sanieren mit Carbonbeton
Der Erhalt historischer Bausubstanz ist eine der großen Herausforderungen im Bauwesen.
By Jessica Thomae
March 11, 2026

Dieser Beitrag von Miriam Melzer ist im aktuellen Fachmagazin Denkmalsanierung 2025/2026 erschienen.

Man kennt sie: Die Brücken und Gebäude, die einst als Symbol für Fortschritt und Ingenieurskunst galten – und heute vielerorts in die Jahre gekommen sind. Vom ikonischen Schalentragwerk aus den 1960er-Jahren über denkmalgeschützte Hörsaaldecken bis hin zu historischen Eisenbetonbrücken: Die Substanz altert, während ihr gesellschaftlicher und architektonischer Wert bleibt. Bei all diesen Bauwerken stellt sich die Frage: Abriss oder Erhalt? Carbonbeton bietet hier ganz neue Perspektiven, denn wenn Hightech auf Historie trifft, entsteht eine neue Qualität des Bewahrens.
Der Erhalt historischer Bausubstanz ist eine der großen Herausforderungen im Bauwesen. Gerade bei der Sanierung von Denkmalen stehen Planende oft vor einem scheinbaren Zielkonflikt: Einerseits gilt es, die Authentizität, Gestalt und Materialität eines Gebäudes zu bewahren; andererseits fordern Sicherheit, Nutzbarkeit und Gebrauchstauglichkeit zeitgemäße Lösungen. Moderne Baustoffe wie Carbonbeton scheinen auf den ersten Blick nicht ins Bild der historischen Bausubstanz zu passen. Doch bei genauerem Hinsehen eröffnet gerade dieser Werkstoff überraschende Möglichkeiten – auch und besonders im Denkmal.

Zwischen Leichtigkeit und Leistung

Carbonbeton ist ein innovativer Verbundwerkstoff, bei dem Beton mit einer nicht-metallischen Bewehrung aus Kohlenstofffasern kombiniert wird. Im Unterschied zur klassischen Stahlbewehrung ist Carbon vollständig korrosionsfrei – ein zentraler Vorteil, der weitreichende gestalterische Möglichkeiten eröffnet. Da im Gegensatz zur Stahlbewehrung keine schützende Betondeckung erforderlich ist, können Bauteile deutlich schlanker und gleichzeitig dauerhafter ausgeführt werden. Gerade im Bestand und in
der Denkmalpflege, wo Eingriffe in die Originalsubstanz möglichst gering gehalten werden sollen, bietet das erhebliche Vorteile.
Die Carbonbewehrung ist in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich – etwa als Stab oder in flächiger Gitterform. In der Sanierung kommen überwiegend Carbongitter zum Einsatz, die sich flexibel an verschiedene Geometrien und Belastungssituationen anpassen lassen. Dabei überzeugt das Material durch seine hohe Zugfestigkeit, bei gleichzeitig sehr geringem Eigengewicht. Diese Kombination macht nicht nur leichte, sondern auch hochtragfähige Verstärkungen möglich – bei deutlich reduziertem Materialeinsatz.
Ein weiterer Vorteil: Die Verstärkungen lassen sich als millimeterdünne Schichten aufbringen. So bleiben historische Raumproportionen und Oberflächen weitgehend erhalten – ein essenzieller Aspekt im Denkmalbereich. Hinzu kommt, dass im Vergleich zu konventionellen Spritzbetonverstärkungen häufig auf Verdübelungen verzichtet werden kann. Das schont die bestehende Bausubstanz und minimiert irreversible Eingriffe. Auf diese Weise gelingt es, die statische Leistungsfähigkeit zu erhöhen, ohne die ästhetische Wirkung des Bauwerks zu beeinträchtigen.

Strukturen erhalten, Potenziale nutzen

Carbonbeton eignet sich besonders für die Sanierung und Ertüchtigung von Betonbauwerken – also gerade jener Bausubstanz, die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in großer Zahl entstanden ist und heute vielfach sanierungsbedürftig ist. Zahlreiche Pilotprojekte in den vergangenen Jahren zeigten, dass der Einsatz von Carbonbeton im denkmalgeschützten Bestand nicht nur theoretisch möglich, sondern auch praktisch erprobt ist. Dazu zählen die Hyparschale in Magdeburg, der Amtsschlachthof in Dresden, der Beyer-Bau der TU Dresden, das Deutsche Optische Museum in Jena, eine historische Bogenbrücke in Naila sowie eine Eisenbetonbrücke in Naumburg (Saale). Die Erfahrungen belegen nicht nur die technische Leistungsfähigkeit des Materials, sondern auch eine wachsende Akzeptanz seitens der Denkmalschutzbehörden.
Für diesen Anwendungsbereich liegt bereits eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) / allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) vor – die Z-31.10-182, die sich speziell auf die Verstärkung mit Carbonbeton bezieht. Sie bietet Planenden die nötige Sicherheit und enthält alle wesentlichen Informationen zur Bemessung, Ausführung und Qualitätssicherung. Die Verwendung zertifizierter Materialien mit Ü-Zeichen sowie die Ausführung durch geschulte Fachunternehmen stellen sicher, dass Innovation auf verlässlicher Grundlage erfolgt.
Gleichzeitig zeigt ein wachsendes Spektrum von Projekten, dass das Potenzial von Carbonbeton weit über klassische Betoninstandsetzung hinausgeht. So etwa bei der Sanierung historischer Stahlbetonrippendecken mit Hohlziegel-Füllkörpern im Deutschen Optischen Museum Jena, wo Carbonbeton erstmalig eingesetzt wurde. Die Lösung erwies sich nicht nur als substanzschonend, sondern auch als zeiteffizient und wirtschaftlich – ein unschätzbarer Vorteil in Projekten mit engen Zeitfenstern oder erhöhtem Nutzungsdruck.
Nicht in jedem Fall steht die Erhöhung der Tragfähigkeit im Vordergrund. Mitunter geht es vielmehr darum, die Dauerhaftigkeit und das ursprüngliche Erscheinungsbild eines Bauwerks langfristig zu sichern. Auch für solche konstruktiven Maßnahmen ist Carbonbeton geeignet. Sein feines Rissbild und die Korrosionsresistenz sorgen dafür, dass Oberflächen dauerhaft intakt bleiben.

© TU Dresden

Ressourcen schonen, Kosten senken

Trotz des Hightech-Anspruchs ist Carbonbeton heute bereits wirtschaftlich einsetzbar – insbesondere im Bestand, wo herkömmliche Verfahren schnell an Grenzen stoßen. Ein zentraler Vorteil liegt im maßgeschneiderten Einsatz des Materials: Die Bewehrung wird in Form textiler Matten hergestellt, deren Gittergeometrie an die konkreten Anforderungen angepasst werden kann. Auf diese Weise wird nur so viel Material verwendet, wie statisch notwendig ist – keine Überdimensionierung, keine Ressourcenverschwendung.
Auch in der Ausführung zeigt sich das wirtschaftliche Potenzial: Die schlanken Querschnitte und das geringe Gewicht verkürzen Bauzeiten und erleichtern die Logistik – ein Gewinn bei schwer zugänglichen oder sensiblen Objekten. Hinzu kommt: Carbonbeton ist praktisch wartungsfrei. Die hohe Dauerhaftigkeit und Korrosionsfreiheit verringern den Sanierungsbedarf langfristig – ein Aspekt, der sowohl im Hinblick auf die Kosten als auch auf die Substanzsicherung entscheidend ist.
Und auch ökologisch überzeugt der Werkstoff. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Hyparschale in Magdeburg: Dort konnten durch den Einsatz von Carbonbeton im Vergleich zu einer konventionellen Spritzbetonlösung 85 % Material und 52 % CO₂ eingespart werden. Noch eindrucksvoller fällt der Vergleich mit einem Abriss samt Ersatzneubau aus: 93 % weniger Materialeinsatz und 62 % weniger materialspezifische CO₂-Emissionen sprechen für sich. Nachhaltigkeit in der Praxis – nicht nur auf dem Papier.

Ein neuer Werkstoff für alte Werte

Carbonbeton ist kein Allheilmittel – aber ein enorm vielseitiges Werkzeug im Repertoire der Denkmalpflege. Er bietet Lösungen für Probleme, die mit herkömmlichen Materialien schwer zu lösen wären, und öffnet neue Wege im Umgang mit historischer Substanz. Ob es um Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit, Ressourcenschonung oder gestalterische Zurückhaltung geht – Carbonbeton verbindet scheinbare Gegensätze.
Gerade in der behutsamen Sanierung historischer Bauten zeigt sich: Moderne Materialien und historische Architektur schließen einander nicht aus. Im Gegenteil – sie können sich gegenseitig ergänzen. Wenn das gelingt, entsteht nicht nur ein neues Verständnis von Bauen im Bestand, sondern eine zukunftsfähige Symbiose aus Geschichte und Moderne.

Dieser Beitrag von Miriam Melzer ist im aktuellen Fachmagazin Denkmalsanierung 2025/2026 erschienen. Das Inhaltsverzeichnis zum Heft liegt als PDF direkt beim Verlag vor und kann dort eingesehen bzw. heruntergeladen werden. Bitte nutze dazu den Link „Inhaltsverzeichnis und Leseproben“ auf der Produktseite des Magazins „Denkmalsanierung 2025/2026“ beim Laible Verlag (verlagsprojekte.de).

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TAGS
Carbonbeton, Denkmalschutz, Nachhaltigkeit, Sanierung

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